Betreuungsgutscheine ab 01.08.2020

 

Die Eltern erhalten von der Gemeinde einen einkommensabhängigen Gutschein, den sie bei der Kindertagesstätte oder Tagesfamilienorganisation ihrer Wahl einlösen können. Der Gutschein vergünstigt so die Betreuungskosten in Kitas und Tagesfamilien. Über den sog. Lastenausgleich beteiligt sich der Kanton an den Kosten der Gemeinden für diese Gutscheine. Der Kanton finanziert alle Gutscheine mit. Die Gemeinden können die Gutscheine in der Zahl limitieren oder auch entscheiden, nicht am System teilzunehmen. Für die Eltern, Kitas und Tagesfamilienorganisationen gelten Zulassungsbedingungen zum System.

 

Wer bekommt einen Betreuungsgutschein?

Um einen Gutschein beantragen zu können, müssen die Eltern drei Bedingungen erfüllen:

 

1. Die Familie braucht die Betreuung

Ein Betreuungsbedarf ist dann gegeben, wenn andernfalls Familie und Beruf nicht vereinbart werden können. Bei Alleinerziehenden muss das Arbeitspensum mindestens 20%, bei Paaren 120% betragen. Soll ein Gutschein für ein Kind ab dem Kindergarten beantragt werden, muss das Arbeitspensum 40% bzw. 140% betragen. Der Arbeitstätigkeit gleichgestellt sind die Arbeitssuche, eine berufsorientierte Aus- oder Weiterbildung, die Teilnahme an einem Integrations- oder Beschäftigungsprogramm und ärztlich bestätigte gesundheitlich bedingte Einschränkungen der Betreuungstätigkeit (gesundheitliche Indikation).

Eltern, die nicht oder weniger erwerbstätig sind erhalten einen Betreuungsgutschein, wenn die familienergänzende Betreuung zur sozialen oder sprachlichen Integration des betreuten Kindes im Hinblick auf den Volksschuleintritt notwendig ist. Die soziale Indikation wird durch eine Fachstelle (i.d.R Sozialdienst oder Mütter- und Väterberatung) bestätigt. 

 

2. Die Familie benötigt aufgrund ihrer finanziellen Situation Subventionen

Betreuungsgutscheine werden nur an Familien mit einem massgebendem Einkommen bis zu 160‘000 Franken ausbezahlt. Das massgebende Einkommen wird gleich wie heute auf Basis der Einkommens- und Vermögensverhältnisse der Eltern sowie der Familiengrösse berechnet.

 

3. Das betreute Kind gehört zur Zielgruppe der Betreuungsgutscheine

Wenn das Kind in den Kindergarten eintritt, übernimmt in vielen Gemeinden die Tagesschule die Betreuung vor, zwischen und nach den Unterrichtsstunden. Die Gemeinden sind ab einer gewissen Nachfrage verpflichtet, Tagesschulangebote anzubieten. Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Erziehungsdirektion . Betreuungsgutscheine für den Besuch einer Kita finanziert der Kanton deshalb längstens bis zum Ende des Kindergartens mit. Betreuungsgutscheine für Tagesfamilien können von den Gemeinden auch an Kinder ab der ersten Klasse ausgegeben werden. Dies, da Tagesfamilien oftmals Zeiten abdecken, die Tagesschulen nicht anbieten können.

Die Gemeinden können die Zielgruppe auch enger fassen und z.B. beschliessen, Betreuungsgutscheine für Kitas nur an Eltern von Vorschulkindern auszuzahlen oder Gutscheine bei Tagesfamilien nur zu finanzieren, wenn es für ein Kind keine Tagesschulmodule gibt.

 

Wie beantrage ich einen Betreuungsgutschein?

Die Familie stellt per Webapplikation kiBon oder auf Papier einen Antrag in ihrer Wohngemeinde für einen Betreuungsgutschein und sucht einen Betreuungsplatz in einer Kita oder einer Tagesfamilie, die am System teilnimmt.

 

Liegt die Platzbestätigung der Kita bzw. der Tagesfamilienorganisation bereits vor, prüft die Gemeinde den Anspruch und stellt den Gutschein aus. Die Kita oder die Tagesfamilienorganisation zieht den entsprechenden Betrag von der monatlichen Rechnung an die Eltern ab. Der Gutschein wird den Eltern nicht direkt ausbezahlt.

In Gemeinden, welche die Betreuungsgutscheine limitieren, müssen sich die Eltern unter Umständen auf eine Warteliste setzten lassen.

Nur Eltern, die in einer Gemeinde wohnen, welche sich dem Betreuungsgutscheinsystem angeschlossen hat, können einen Betreuungsgutschein beantragen.

 

Wie wird der Betreuungsgutschein berechnet?

Der Betreuungsgutschein wird für ein bestimmtes Pensum sowie in einer einkommensabhängigen Höhe ausgestellt:

 

1. Wie wird das Betreuungspensum festgelegt?

Bei Eltern, welche ein Gesuch stellen, weil sie arbeiten, Arbeit suchen, einer berufsorientierten Aus- oder Weiterbildung nachgehen, an einem Integrations- oder Beschäftigungsprogramm teilnehmen oder eine gesundheitliche Indikation vorliegt, ist der Umfang des Anspruchs auf Betreuungsgutscheine vom Ausmass der Beschäftigung abhängig. Bei Alleinerziehenden entspricht das vergünstigte Betreuungspensum maximal dem Beschäftigungspensum + 20%. Bei Paaren entspricht das vergünstigte Betreuungspensum maximal dem gemeinsamen Beschäftigungspensum abzgl. 100% + 20%. D.h. ein Paar, welches gemeinsam 140% arbeitet, würde maximal einen Gutschein für 60% erhalten, eine alleinerziehende Person, welche zu 60% erwerbstätig ist, würde maximal für 80% einen Betreuungsgutschein erhalten. Die Gemeinden können eine engere Koppelung an das Beschäftigungspensum vorschreiben.

Bei einer Indikation aufgrund eines Sprachförderbedarfs wird ein Betreuungsgutschein im Umfang von 40% verfügt.

Bei Gutscheinen zur sozialen Integration legt die zuständige Fachstelle das Betreuungspensum fest (je nach Indikation zw. 20 und 60%).

 

2. Wie hoch ist die Subvention pro Tag/pro Stunde?

Die maximale Höhe des Gutscheins beträgt 100 Franken pro Tag für einen Kita-Platz und 8.50 Franken für eine Stunde Betreuung durch eine Tagesfamilie. Mit zunehmendem massgebendem Einkommen reduziert sich die Mitfinanzierung linear und sinkt ab einem massgebenden Einkommen von 160‘000 Franken auf 0. Das massgebende Einkommen wird grundsätzlich gleich berechnet wie heute.

Kitas und Tagesfamilien brauchen für die Betreuung von Kindern bis 12 Monaten mehr Personal. Eltern von Kleinkindern erhalten deshalb einen um 50% höheren Gutschein, um höhere Tarife ausgleichen zu können. Analog dazu erhalten Eltern von Schulkindern, die ihr Kind in einer Kita betreuen lassen, einen um 25% tieferen Gutschein.

Die Eltern zahlen in jedem Fall mindestens 7 Franken pro Tag bzw. 70 Rp. pro Stunde selber an die Betreuungskosten. Der Gutscheinbetrag wird vom Tarif des Betreuungsangebots abgezogen. Die Anbieter legen ihre Preise selber fest. Wie viel eine Familie für die Betreuung zahlt, ist deshalb auch vom Tarif des Angebots abhängig.

In kiBon kann ab 1.5.2019 die voraussichtliche Vergünstigung genau berechnet werden. Eine grobe Übersichtstabelle zur Gutscheinhöhe finden Sie auf unserer Webseite unter Formulare/Hilfsmittel

 

Was ist die Pauschale für den ausserordentlichen Betreuungsaufwand?

 

Kinder mit besonderen Bedürfnissen bzw. deren Eltern sollen gleichberechtigten Zugang zu Betreuungs- und Förderangeboten haben. Weil Kitas und Tagesfamilien, die Kinder mit besonderen Bedürfnissen betreuen, einen höheren Betreuungs- und Koordinationsaufwand haben, wird den Familien ein einkommensunabhängiger Zuschlag von 50 Franken pro Tag bzw. 4.25 Franken pro Stunde auf den Betreuungsgutschein ausbezahlt. Diesen Zuschlag können auch Eltern, welche die Bezugskriterien bzgl. wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit nicht erfüllen, beantragen.

Eine Bestätigung für einen höheren Aufwand bei der Betreuung wird vom Früherziehungsdienst des Kantons Bern, der heilpädagogischen Früherziehung für blinde und sehbehinderte Kinder der Blindenschule Zollikofen, dem audiopädagogischen Dienst des Pädagogischen Zentrums für Hören und Sprache HSM oder von der Erziehungsberatung ausgestellt. Kriterium dafür ist, dass die entsprechenden Fachstellen das Kind (heil-)pädagogisch begleiten und der tatsächliche Betreuungsbedarf den höheren Faktor rechtfertigt. Die Begleitung kann auch durch freischaffende Früherzieherinnen erfolgen.

Betroffen sind Kinder, die körperlich oder geistig beeinträchtigt sind und/oder deren Entwicklung verzögert oder auffällig ist und deren Abklärung einen diesbezüglichen Förderbedarf ergeben hat.

 

Wo können Betreuungsgutscheine eingelöst werden?

 

Eltern können Betreuungsgutscheine bei Kindertagesstätten und Tagesfamilienorganisationen mit einer Zulassung des Sozialamts einlösen. Weitere Informationen zu den Zulassungskriterien und zum Gesuchsverfahren finden Sie hier.

Ob eine Institution Betreuungsgutscheine entgegen nimmt, sehen Sie auf unserem Familienportal bei den Angaben zur jeweiligen Institution.

 

Was ändert sich bzgl. Aufsicht und Bewilligung über die Kitas und Tagesfamilienorganisationen?

 

Im alten System gibt es private Kitas, die vom Kanton beaufsichtigt werden, sowie subventionierte Kitas, die unter der Aufsicht der Gemeinden stehen. Mit der Einführung der Betreuungsgutscheine wird nicht länger zwischen privaten und subventionierten Kitas unterschieden. Nach der Umstellung gibt es nur noch private Kitas, welche mit entsprechender Zulassung entscheiden können, Betreuungsgutscheine als Zahlungsmittel entgegenzunehmen. Die Aufsicht über die Kitas muss deshalb neu geregelt und vereinheitlicht werden. Dabei werden die Anliegen der Motion Rufener (M 252-2014) „Familienexterne Kinderbetreuung aus einer Hand – Augenmass bei der kantonalen Regulierung“ berücksichtigt, welche verlangt, dass die Steuerung des Angebots durch die Gemeinden erfolgt und der Kanton sich auf eine grobe Regulierung und ein wirkungsvolles Controlling beschränkt. Der Kanton wird voraussichtlich deshalb zukünftig die Bewilligungsvoraussetzungen nur noch in groben Zügen festlegen und die Gemeinden sind für den Vollzug der Bewilligung und Aufsicht der Betreuungsinstitutionen auf ihrem Gebiet zuständig.

Diese Anpassung erfordert eine gesetzliche Grundlage und wird mit dem Inkrafttreten des Gesetztes über die sozialen Leistungsangebote (SLG) erfolgen. Bis dahin verbleiben die Kitas unter ihrer derzeitigen Aufsicht. Neue Betreuungsangebote beantragen eine Betriebsbewilligung beim kantonalen Jugendamt .

 

Was bedeutet die Umstellung für die Eltern?

 

Die Kontingente bei den subventionierten Angeboten auf Ebene Kanton werden abgeschafft. Stattdessen wird neu der Kita-Besuch bzw. der Besuch einer Tagesfamilie nur subventioniert, wenn die Eltern arbeiten, eine Ausbildung absolvieren, auf Arbeitssuche sind oder aus anderen sozialen oder gesundheitlichen Gründen darauf angewiesen sind, die Kinder in die Kita oder in die Tagesfamilie zu schicken.

 

In Gemeinden, die am System teilnehmen und die Betreuungsgutscheine nicht kontingentieren, bekommen alle Eltern, die die Kriterien erfüllen, einen Gutschein ausgestellt. Der (Wieder-)Einstieg in den Beruf wird so für die Familien besser planbar. Eltern mit kleinen Kindern können langfristig mit einem Ausbau des Kita-Angebots und dadurch mit einem deutlichen Rückgang der Wartefristen rechnen. Vor allem Mittelstandsfamilien dürften profitieren, da sie heute aufgrund der fehlenden sozialen Dringlichkeit oft länger auf einen freien Platz warten müssen als andere.

 

Die Umstellung auf das Gutscheinsystem verbessert für bezugsberechtigte Eltern den Zugang zu subventionierten Angeboten und stärkt die freie Wahl der Betreuungsorganisation. Weil die Gutscheine gemeindeübergreifend eingelöst werden können, haben die Eltern mehr Auswahl und ein Wohnsitzwechsel bedeutet nicht unbedingt einen Kita-Wechsel. Wie jedoch aktuell auch, sind Eltern darauf angewiesen, dass ihre Wohngemeinde die familienexterne Betreuung fördert und Betreuungsgutscheine ausstellt.